Man(n)omama – So geht Fair

Nach unserem Wochenende in München fuhren Michi und ich auf Empfehlung eines Freundes heute beim Fabrikverkauf von Manomama in Augsburg vorbei. Wir waren ein wenig aufgeregt, denn wir gehören ja zu jenen, die die Geschichte von Sina Trinkwalders Idee in der RTL-Doku „Made in Germany“ verfolgt haben.

Die Idee: Faire Mode fair und nachvollziehbar und trotzdem bezahlbar zu produzieren – und das zu 100% in Deutschland. Zu diesem Zweck hat Frau Trinkwalder Menschen eingestellt, die auf dem Arbeitsmarkt kaum oder gar nicht mehr vorkamen: ehemalige Straftäter, alleinerziehende Mütter, Menschen ohne Schulabschluss, etc., eben die „Stiefkinder“, die zwar arbeiten wollen, aber die Chance dazu nicht bekommen. Bei Sina Trinkwalders Projekt haben sie gelernt, Textilien zu fertigen, die von A bis Z aus nachvollziehbaren, überprüfbaren Materialien hergestellt werden. Zuerst nur eine sehr kleine Produktpalette. Mittlerweile produziert Manomama ein eigenes Jeanslabel: „Augschburgdenim„, Jeans, die „etwas anders“ sind, enthalten sie doch keinen Stretchanteil und werden zudem keinerlei Fancy-Waschungen unterzogen (schön vor allem für jene Menschen, denen dadurch die Arbeit mit Sandstrahler und hochgiftigen Chemikalien erspart bleibt…). Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe schöner Kleidungsstücke für Damen und Herren zu erwerben. Alles „Basics“, die nicht nur ein Jahr lang schön sind, denn auch das ist ein Anspruch der Firma: dass man lange was von den Kleidungsstücken hat, die man dort erwirbt. Sollte sich tatsächlich eine Naht lösen, was laut Website schon mal vorkommt, wenn man reines Baumwollgarn verwendet, darf man das Kleidungsstück zur (kostenlosen) Reparatur einsenden. Niemand, der an der Produktionskette beteiligt ist, wird über den Tisch gezogen. Die Kleidung wird komplett von Sina Trinkwalders Mitarbeitern am Produktionsort Augsburg gefertigt.

Woher ich das so sicher weiß? Weil uns heute eine leicht verschnupfte Sina Trinkwalder persönlich in Augsburg in Empfang nahm, uns zur Begrüßung nur den Ellbogen reichte (wegen der Anstrengung) und uns nach einem kleinen Ratsch mit einer ihrer Mitarbeiterinnen durch die Produktionshallen ins Lager schickte. Frau Trinkwalder, die im Fernsehen auf uns etwas kühl und ernst wirkte, stellte sich gleich mit Vornamen vor und ist live extrem symphatisch. Man kann sich gut vorstellen, dass sie eine ist, die mit eisernem Willen ihre Vision verfolgt und ihre Mitarbeiter mitzureißen versteht. Dass das der Fall ist, durften wir am eigenen Leib erfahren,  am Beispiel der beiden Damen (eine davon Manomamas Schnittentwicklerin), die in der kommenden Stunde damit beschäftigt waren, uns die verschiedenen Kleidungsstücke zu zeigen, uns zu beraten und vor Motivation zu sprühen. DAS war ein tolles Einkaufserlebnis! Die Jeans wurden dann unten in der Produktionshalle noch direkt für uns auf die optimale Länge gekürzt, während wir uns die Location anschauen konnten, die wir schon aus dem Fernsehen kannten. Das Klima in der hellen, bunten Halle wirkte auf uns, als ob die Mitarbeiter, die uns freundlich begrüßten, sehr genau wissen, dass es etwas Besonderes ist, was sie da mittragen dürfen.

Manomama könne sich mittlerweile selbst tragen, haben wir erfahren. Der große Boom nach Ausstrahlung der RTL-Sendung sei jedoch ausgeblieben. Mag daran liegen, dass nach der ersten Folge der Sendeplatz von der Prime-Time auf den Nachmittag verlegt wurde. Oder auch daran, dass viele nach fair produzierter Kleidung schreien, aber dann lieber doch vier statt nur einer Jeans pro Jahr kaufen wollen – und wenn JEDER, der an der Produktion beteiligt ist einen fairen Lohn bekommen soll, kostet das nunmal Geld.

Wir haben jedoch für uns beschlossen, dass wir die Idee und die Firma Manomama toll finden und weiter unterstützen werden. Weil uns die Klamotten gefallen. Weil uns die Idee und die Leute gefallen. Und weil vor allem Michi schon viel Zeit damit verbracht hat, vergeblich eine Möglichkeit zu suchen Kleidung zu tragen, für die niemand ausgebeutet wird. Der einzige, klar nachvollziehbare Fairtrade-Artikel (ein Hemd) kam im Endeffekt dann doch aus Dänemark.

Wenn es schon nicht wirklich möglich ist, durch gezielte Einkäufe jene zu unterstützen, die unter unmenschlichen Bedingungen in Südamerika und Asien für die Textilbranche ausgebeutet werden (und jüngste Medienberichte zeigen sehr deutlich, dass auch höhere Preise und Markenlabel kein Garant für fairere Bedingungen sind), dann unterstützen wir eben die Wirtschaft „daheim“ und hoffen, dass durch Manomama noch viele Menschen eine Chance bekommen, die eine verdienen. Oh, und noch was: Manomama kleidet nicht nur H&M Kunden ein, sondern genauso gut auch Kunden von Ulla Popken…you know, what I mean 😉

Der Eingang

Der Eingang

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s